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Newsletter

Der SwiSCI Newsletter erscheint zweimal pro Jahr und ist kostenfrei. Er beinhaltet Neuigkeiten aus dem Studienzentrum, Informationen zum Verlauf und zu den Ergebnissen der Studie sowie Mitteilungen über Kollaborationsprojekte. Sie können den Newsletter auf dieser Seite ausführlich lesen oder in einer gekürzten Version als PDF downloaden.
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SwiSCI Newsletter zum Download

Ausgabe 02/2017: Schmerzen - ein zentrales Problem bei Querschnittlähmung
Ausgabe 01/2017
: Mobil sein mit den passenden Hilfsmitteln
Ausgabe 02/2016
: Die SwiSCI-Befragung 2017 - Zweite gesamtschweizerische Umfrage der Swiss Spinal Cord Injury Cohort Study
Ausgabe 01/2016
: Wieviel Bewegung ist gesund? Was empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation?
Ausgabe 02/2015
: Barrierefreiheit in der Schweiz
Ausgabe 01/2015: Gesundheitsverhalten: Ernährung & Sport
Ausgabe 02/2014: Wissenschaft unter der Lupe. Wie funktioniert SwiSCI als Forschungsplattform?
Ausgabe 01/2014: Lebenszufriedenheit nach Querschnittlähmung
Ausgabe 02/2013: Arbeitsstress und Arbeitsmarktbeteiligung
Ausgabe 01/2013: Erste Auswertung der SwiSCI Umfrage

Aktuelle Newsletter-Ausgabe

Schmerzen - ein zentrales Problem bei Querschnittlähmung

Liebe Leserin, lieber Leser

Trotz medizinischer Fortschritte leiden weltweit immer mehr Menschen an chronischen Schmerzen. Schätzungen zufolge ist es in den USA jeder Dritte (31%) [1], in Europa jeder Fünfte (27%) [2] und in der Schweiz jeder Sechste (16%) [3]. Bei Personen mit einer Querschnittlähmung ist der Anteil um ein Vielfaches höher. In der Schweiz leben 75% [4] der querschnittgelähmten Personen mit anhaltenden Schmerzen. Diese beeinflussen alle Bereiche des Lebens. 

Allgemein beruht die Behandlung von Schmerzen auf der Behandlung der Ursache. Die Ursachen von Schmerzen sind jedoch sehr vielfältig und oft unklar. Die Schmerzbehandlung bei Querschnittlähmung ist heute in allen Paraplegie-Zentren der Schweiz multimodal, also breit und vielschichtig, angesetzt. Das heisst, verschiedene Therapien (zum Beispiel Medikamente, Krafttraining, Sitzabklärung, Stressbewältigung, Berufsberatung) werden durch ein interdisziplinäres Team von Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen und Sozialberater durchgeführt. So können verschiedene Bereiche von möglichen Ursachen behandelt werden. 

Trotz des multimodalen Ansatzes bleibt die Behandlung von Schmerzen bis heute eine grosse Herausforderung. Die Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten ist weltweit eine der Prioritäten in der Schmerzforschung. Ein Forscherteam von SwiSCI testete eine neue Therapie basierend auf dem Ansatz der „Positiven Psychologie.“ Als die Studie vor drei Jahren in der Planung war, haben wir sie hier vorgestellt. Mittlerweile ist sie erfolgreich durchgeführt worden und wir möchten Sie heute über unsere Studienergebnisse informieren. Ausserdem zeigen wir Ihnen, wie die Resultate bereits in der Gruppentherapie für Personen mit Querschnittlähmung und chronischen Schmerzen umgesetzt werden.

Wir wünschen Ihnen erholsame Weihnachtsfeiertage!
Herzliche Grüsse

Rahel Müller

Rahel Müller

Psychologin und Projektleiterin Schweizer Paraplegiker-Forschung

Referenzen

  1. Johannes CB, Le TK, Zhou X, Johnston JA, Dworkin RH. The prevalence of chronic pain in United States adults: results of an Internet-based survey. J Pain 2010;11:1230-9.
  2. Leadley RM, Armstrong N, Lee YC, Allen A, Kleijnen J. Chronic diseases in the European Union: the prevalence and health cost implications of chronic pain. J Pain Palliat Care Pharmacother 2012;26:310-25.
  3. Breivik H, Collett B, Ventafridda V, Cohen R, Gallacher D. Survey of chronic pain in Europe: prevalence, impact on daily life, and treatment. Eur J Pain 2006;10:287-333.
  4. Müller R, Brinkhof MW, Arnet U, Hinrichs T, Landmann G, Jordan X, et al. Prevalence and associated factors of pain in the Swiss spinal cord injury population. Spinal Cord 2017;55:346-54.

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Dem Schmerz vielfältig und interdisziplinär begegnen

Schmerzen sind ein häufiges und zentrales Problem bei Menschen mit einer Querschnittlähmung. Circa 75% der Betroffenen leiden darunter [1]. Wenn Schmerzen zur Dauerbelastung werden, beginnt ein fataler Kreislauf. Welche Hilfe gibt es?

Interdisziplinäre Behandlungsmethodik in der Schmerzmedizin

Schmerzen können die Lebensqualität erheblich vermindern. Betroffene fühlen sich durch den Schmerz körperlich und psychisch immer eingeschränkter, was nicht selten zu sozialer Abgrenzung und zum Verlust der Arbeitsstelle führt. Diese Hilflosigkeit kann den Schmerz erneut verstärken - ein Teufelskreis, aus dem betroffene Personen oft nicht mehr ohne professionelle Hilfe herausfinden.
Ein Ansatz der modernen Schmerzmedizin ist die sogenannte „multimodale“ Schmerztherapie. Darunter versteht man die Anwendung vielfältiger Behandlungsmethoden. Gerade bei chronischen Schmerzen spielen nicht nur die biologischen, sondern auch die psychischen und sozialen Faktoren eine Rolle. Die Idee einer multimodalen Schmerztherapie ist es, nicht nur isoliert ein Phänomen zu behandeln, sondern alle diese Faktoren zu berücksichtigen [2].

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Interview mit Wolfgang Dumat, Psychologe & Psychotherapeut sowie Experte für chronische Schmerzen

Wolfgang Dumat

Wolfgang Dumat

Wolfgang Dumat war langjähriger Leiter der Psychologie am Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil. Heute ist er Leiter einer Schmerztagesklinik im Vivantes Wenckebach Klinikum in Berlin.

„Negative Gedanken durch positive ersetzen“

Herr Dumat, in der Behandlung von chronischen Schmerzen spricht man oft von der „multimodalen“ Schmerztherapie. Warum ist die Vielfalt an Therapien so wichtig?

Wenn ein Schmerz chronisch wird, werden nach und nach alle Lebensbereiche davon beeinträchtigt: Betroffene Personen haben beispielsweise zunehmend ein Problem, ihrer Arbeit nachzugehen, sie vernachlässigen ihre Hobbies und machen immer weniger mit ihren Freunden ab. Zudem wird ihre psychische Verfassung beeinträchtigt. Diese zunehmende Abschottung und Inaktivität verschlimmern wiederum den Schmerz. Es gibt Menschen, die dann gar nicht mehr aus der Wohnung gehen, depressiv werden oder sogar an Suizid denken. Das ist ein richtiger Teufelskreis, aus dem die meisten alleine nicht mehr herauskommen. Andere wiederum können ihren Alltag noch ganz gut bewältigen, aber ihre Stimmung ist zunehmend gedrückt.
Weil der chronische Schmerz also alle Lebensbereiche beeinträchtigt, muss er auch ganz vielseitig behandelt werden. Das heisst, sowohl über Medikamente als auch über Physiotherapie und Psychotherapie, aber auch beispielsweise über eine Sozial- und Berufsberatung.

Können Patienten durch eine so vielfältige Schmerztherapie weg von Medikamenten kommen?

Ja, das klappt in einigen Fällen. In die Schmerzklinik Nottwil kommen aber meist Patienten, die schon lange Jahre mit chronischen Schmerzen leben und bereits viele Untersuchungen, Klinikaufenthalte und Behandlungen hinter sich haben. Wenn wir bei diesen Menschen die Medikamente zumindest reduzieren können, ist das schon ein grosser Erfolg. Die Betroffenen möchten dies auch selbst, da sie die meist negativen Nebenwirkungen der Medikamente täglich erfahren.

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Positive Psychologie: Das sind die drei „effektivsten“ Übungen zur Reduktion der Schmerzintensität

Bei regelmässiger Anwendung können diese Übungen helfen, das Schmerzempfinden zu reduzieren und somit das allgemeine Wohlbefinden zu stärken. Die Übungen können allen Menschen mit Schmerzen helfen, aber auch einfach das Bewusstsein für das eigene Auftreten und Handeln stärken. Die Übungen lassen sich bequem im Alltag durchführen. Wichtig ist, sie regelmässig mindestens einmal pro Woche für mindestens 15 Minuten durchzuführen.

1. Übung „Dankbarkeit“
Erkennen Sie das Gute und Schöne im Alltag und bedanken Sie sich bei einem Mitmenschen dafür (direkt oder schriftlich)!

2. Übung „Freundschaften“
Entwickeln, pflegen und geniessen Sie Freundschaften! Nehmen Sie Anteil am Leben Ihrer Freunde und teilen Sie Ihr eigenes Leben mit! Zum Beispiel, indem Sie mit Freunden abmachen, so oft es geht!

3. Übung „Freundlichkeit“
Vollbringen Sie eine „gute Tat“ für andere Menschen, sei es ein Freund oder ein Fremder, direkt oder anonym, spontan oder geplant! Zum Beispiel, indem Sie einen Freund bei einem wichtigen Termin begleiten, oder dem Nachbarskind bei seinen Hausaufgaben helfen.

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Neuigkeiten aus dem Studienzentrum

Update zur SwiSCI Umfrage 2017

Die Umfrage der SwiSCI Studie begann im März 2017. Mittlerweile ist die Datenerhebung fast abgeschlossen. Bis jetzt haben wir 1523 ausgefüllte Exemplare des ersten Fragebogens erhalten. Diese Anzahl ist, verglichen mit anderen Studien dieser Grösse, ein herausragender Erfolg. Wir danken allen Teilnehmern ganz herzlich für Ihr Engagement. Auf unserer Webseite und im Newsletter berichten wir regelmässig über neue Ergebnisse.

Teilnehmertreffen der Pro-Well Studie

Am 08. September fand an der Schweizer Paraplegiker-Forschung ein Informationstreffen für die Teilnehmer der pro-WELL Studie statt. In der Studie wurden querschnittgelähmte Menschen und ihre Lebenspartner ausführlich zu ihren zwischenmenschlichen Beziehungen, ihrer Arbeitssituation und ihrer Gesundheit befragt. Bei dem Treffen konnten sich die Teilnehmer über erste Ergebnisse informieren. So präsentierten die Autoren der pro-WELL Studien beispielsweise, wie sich soziale Beziehungen auf die psychische Gesundheit, auf Vitalität und Wohlbefinden auswirken und welche Rolle die Pflegebelastung für die Beziehungsqualität spielt. Zudem bot das Treffen eine gute Möglichkeit, sich mit Forschern, anderen Paaren und Gesundheitsexperten auszutauschen.

Zum Kommentar eines Teilnehmers auf der Online Community: https://community.paraplegie.ch/ 

Aktuelle Publikationen der SwiSCI Studie

1. Risiko Schulterschmerz

Durch Schulterschmerzen wird die Mobilität von Menschen mit Querschnittlähmung immens eingeschränkt. Oft geht dies mit einem Verlust von Lebensqualität einher. Die Studie untersucht, wie viele Personen von Schulterschmerzen überhaupt betroffen sind und wer ein besonders hohes Risiko dafür hat.

Bossuyt FM, Arnet U, Brinkhof MW, et al. Shoulder pain in the Swiss spinal cord injury community: prevalence and associated factors. Disability and rehabilitation. Jan 13 2017:1-11.

2. Berufe von Personen mit einer Querschnittlähmung

Die Studie beschreibt die Schlüsselanforderungen und -charakteristika von Berufen, die querschnittgelähmte Personen in der Schweiz ausüben. Diese Informationen unterstützen die Bestimmung einer passenden Tätigkeit im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung.

Nützi M, Trezzini B, Ronca E, Schwegler U: Key demands and characteristics of occupations performed by individuals with spinal cord injury living in Switzerland. Spinal Cord. 2017 Aug 8. [Epub ahead of print].

3. Bevorzugte Dienstleistungen in der Gesundheitsversorgung

Für die Vorsorge und Behandlung von Begleiterkrankungen sind Menschen mit Rückenmarksverletzungen auf ein gut funktionierendes System an Gesundheitsdienstleistungen angewiesen. Die Studie untersucht, welche medizinischen Dienstleistungen von Menschen mit Querschnittlähmung bevorzugt genutzt werden.

Gemperli A, Ronca E, Scheel-Sailer A, Koch HG, Brach M, Trezzini B, SwiSCI Study Group.: Health care utilization in persons with spinal cord injury: part 1 - outpatient services. Spinal Cord. 2017 May 2. Epub ahead of print].

Diese und weitere Publikationen der SwiSCI Studie finden Sie auf der Webseite https://swisci.ch 
Gerne helfen wir Ihnen bei Fragen weiter.

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